Manche Fallas gehören einfach zum großen Fest von Valencia.
Andere sind darüber hinaus ein wichtiger Teil der Geschichte eines ganzen Stadtviertels. Die Falla Industria-Santos Justo y Pastor gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Seit fünf Jahrzehnten sind ihr Casal, ihre Mitglieder und ihre Festmonumente Teil des Lebens im Viertel. Hinter dieser Geschichte stehen nicht nur große Festtage im März, sondern auch unzählige gemeinsame Erinnerungen, Begegnungen und Aktivitäten während des ganzen Jahres.
Alles begann mit einer Idee unter Freunden
Die Geschichte der Falla begann im Jahr 1973. Eine Gruppe von Freunden saß in einer Bar zusammen und sprach darüber, ein Fest für das Viertel zu organisieren. Irgendwann kam die Idee auf, eine eigene Falla aufzustellen.
Ein solcher Entschluss war allerdings leichter gefasst als umgesetzt. Es mussten bürokratische Fragen geklärt, Geld gesammelt, ein geeigneter Treffpunkt gefunden und vor allem eine Kommission gegründet werden.
Doch die Freunde ließen sich nicht entmutigen.
Schon einige Jahre zuvor hatte es in der Calle Industria eine Falla gegeben. Deshalb kamen sie auf die Idee, jemanden um Rat zu bitten, der bereits Erfahrung mit einer Fallas-Kommission hatte. Ihre Wahl fiel auf José Martínez del Hoyo, den ehemaligen Präsidenten dieser früheren Falla. Er war sofort bereit, das neue Projekt zu unterstützen.
Im April 1973 nahm die Geschichte ihren Lauf. Nach vielen Anstrengungen wurde aus der Idee Wirklichkeit: Die Falla Industria-Santos Justo y Pastor y Asiarents wurde gegründet. Ihr erster Präsident war José Martínez del Hoyo.
Die „Madriguera Fallera“ – das Zuhause der Kommission
Zu den ersten Aufgaben der neuen Kommission gehörte die Suche nach einem geeigneten Lokal. Schließlich wurde ein Raum gefunden, der den Namen „Madriguera Fallera“ erhielt.
Das neue Lokal war von Anfang an mehr als nur ein Treffpunkt für Sitzungen. Es wurde zum Casal fallero, also zum festen Zuhause der Falla.
Ein Casal ist für eine valencianische Fallas-Kommission ein ganz besonderer Ort. Hier trifft man sich, organisiert Veranstaltungen, bereitet die Festtage vor, isst gemeinsam, feiert und verbringt Zeit miteinander. Viele Freundschaften und Erinnerungen entstehen genau dort.
Die Madriguera Fallera wurde damit zu einem wichtigen Bestandteil der Geschichte der Falla Industria-Santos Justo y Pastor – und blieb es über Jahrzehnte.
Die ersten Fallas
Bereits im ersten Jahr wurden die ersten Kinderstandarten angeschafft und die Vertreter der jungen Kommission gewählt.
Francisco Perpiñá Guasp wurde zum Präsidenten der Kinderkommission ernannt, María de los Ángeles Giménez zur Fallera Mayor Infantil und Ana García Petriz zur Fallera Mayor.
Für die ersten Monumente wurden die Künstler Carmen Moya und Manuel Viguer engagiert. Sie schufen Costums für die Kinderfalla und Jocs für die große Falla.
Dann kam der März.
Zum ersten Mal stand das Monument der neuen Kommission auf der Straße. Für die Mitglieder war es ein emotionaler Moment: Was einige Monate zuvor als Idee unter Freunden begonnen hatte, war plötzlich Wirklichkeit geworden.
Und dann kam die große Überraschung.
Die Falla Industria-Santos Justo y Pastor gewann ihren ersten Preis, den 18. Preis der Sektion 1.ª C für das große Monument.
Für eine gerade erst gegründete Kommission war dieser Erfolg ein besonderer Grund zur Freude und ein Zeichen dafür, dass sich die Anstrengungen gelohnt hatten.
Mit der cremà, dem traditionellen Verbrennen der Fallas-Monumente am Ende der Festtage, ging das erste Fallas-Jahr zu Ende. Das Monument verschwand in den Flammen – aber die Geschichte der Kommission hatte gerade erst begonnen.
Eine Kommission, die weiterwuchs
1974 begann das zweite Fallas-Jahr, erneut unter dem Vorsitz von José Martínez del Hoyo. Nach dem erfolgreichen Auftakt schlossen sich immer mehr Menschen der Kommission an.
Die junge Falla wuchs und entwickelte nach und nach ihre eigenen Traditionen.
Im Festjahr 1975–1976 wurde schließlich auch die Standarte der großen Falla angeschafft.
Die Mitglieder gingen in traditioneller valencianischer Tracht zur Iglesia del Patriarca Sant Josep, um die Standarten segnen zu lassen.
Und auch ein kleines Stück Alltagsgeschichte gehört zu diesen Erinnerungen: Das Budget reichte damals sogar für einen Farbfernseher im Casal, sodass man dort gemeinsam Fußball schauen konnte.
Heute klingt das vielleicht unspektakulär. Damals war ein Farbfernseher jedoch etwas Besonderes – und vermutlich ein guter Grund, noch ein wenig länger im Casal zu bleiben.
Die Senyera und neue Gründe zum Feiern
Im Festjahr 1978–1979 erhielt die Falla eines ihrer wichtigsten Symbole: die Senyera, die valencianische Fahne. Als Patin wurde Amparo Gómez Montes ernannt.
Auch in diesem Jahr gab es einen weiteren besonderen Grund zur Freude. Aurelia Amparo Torres Espejo, ein Mitglied der Kinderkommission, wurde zur Ehrendame der Corte der Fallera Mayor de València gewählt.
Für die noch junge Falla war dies eine große Anerkennung und erfüllte die gesamte Kommission mit Stolz.
Die Aktivitäten der Falla beschränkten sich inzwischen längst nicht mehr auf das eigene Viertel. Die Kommission wurde zum Veranstaltungsort und Organisator der 1. Campeonato „Ciutat de València“, des ersten außergewöhnlichen Paella-Wettbewerbs im Marítim.
Die Veranstaltung wurde zu einem großen Fest und war ein weiterer Schritt auf dem Weg zu dem Ansehen, das sich die Falla im Laufe der Jahre aufbauen sollte.
Was eine Falla für ein Viertel bedeutet
Um eine valencianische Falla wirklich zu verstehen, reicht es nicht, nur auf die berühmten Monumente und die Festtage im März zu schauen.
Eine Fallas-Kommission ist eine Gemeinschaft, die das ganze Jahr über aktiv ist. Im Casal treffen sich die Mitglieder, organisieren Veranstaltungen und bereiten die nächsten Fallas vor.
Kinder wachsen in der Kommission auf, ältere Generationen geben Traditionen weiter und immer wieder kommen neue Familien hinzu.
Gerade diese Verbindung zwischen verschiedenen Generationen macht die Fallas zu einem wichtigen Bestandteil des sozialen und kulturellen Lebens vieler valencianischer Stadtviertel.
Die Falla ist deshalb nicht nur ein Verein, der einmal im Jahr ein Monument aufstellt. Sie ist Treffpunkt, Gemeinschaft und Teil der lokalen Identität.
Fünf Jahrzehnte voller Erinnerungen
Im Laufe der Jahre gewann die Falla Industria-Santos Justo y Pastor immer mehr Ansehen unter den verschiedenen Kommissionen der Agrupación und der Junta Central Fallera.
Doch die Geschichte einer Falla lässt sich nicht allein anhand von Preisen erzählen.
Hinter jedem Monument stehen Menschen, die ihre Freizeit investieren, Sitzungen abhalten, Veranstaltungen organisieren, Aktivitäten für Kinder vorbereiten und gemeinsam feiern. Vieles davon findet niemals in einem offiziellen Palmarès seinen Platz – und ist trotzdem ein wichtiger Teil der Geschichte.
Genau diese kontinuierliche Arbeit hat dazu beigetragen, dass aus der Falla Industria-Santos Justo y Pastor eine kulturelle und soziale Gemeinschaft geworden ist, die das ganze Jahr über Aktivitäten organisiert.
50 Jahre Falla – und hoffentlich noch viele mehr
Fünfzig Jahre nach jener Unterhaltung unter Freunden in einer Bar kann die Falla Industria-Santos Justo y Pastor auf eine lange Geschichte zurückblicken.
Seit 1973 hat sich vieles verändert. Die Menschen, das Viertel, die Gewohnheiten und auch die Fallas von Valencia haben sich weiterentwickelt.
Geblieben ist jedoch der Wunsch, gemeinsam zu feiern, sich zu treffen und eine Tradition weiterzuführen, die einst mit der Idee einer kleinen Gruppe von Freunden begann.
Auch fünf Jahrzehnte später ist die Madriguera Fallera ein Treffpunkt und die Falla weiterhin Teil des Lebens im Viertel.
50 Jahre zu feiern bedeutet deshalb nicht nur, sich an die Vergangenheit zu erinnern. Es bedeutet auch, all jene Menschen zu würdigen, die über Generationen hinweg Zeit, Arbeit und Begeisterung investiert haben, damit diese Geschichte weitergehen konnte.
Herzlichen Glückwunsch an alle Falleros, Falleras und Unterstützer der Falla Industria-Santos Justo y Pastor zu 50 Jahren Geschichte.



